Humboldt Dschungel @ TAZ

Am Schloss soll dort, wo noch Barockfassadenteil fehlen, der „Humboldt Dschungel“ wachsen. Am Dienstagabend sprachen die Projektinitiatoren mit Experten und Vertretern der verschiedenen Schlossinitiativen über Realisierungsmöglichkeiten

Publikation
Bestechendes Bild

von Brigitte Werneburg
8 Juli 2015

@ TAZ
Berlin

Das Bild, meinte Wilhelm von Bod­dien vom Förderverein Berliner Schloss, sei einfach zu ansprechend, „um sich nicht gezwungen zu sehen, sofort dagegen zu argumentieren“. Da hat er wohl recht. Das Bild besticht. Der „Humboldt Dschungel“, den Frans Vogelaar und Elizabeth Sikiaridi vom Hybrid Space Lab und Uta Belkius und Notker Schweikhardt von Bündnis 90/Grüne am Schloss wachsen lassen wollen, dort, wo die Barockfassadenteile fehlen, weil es noch der Spenden dafür bedarf – diesen Humboldt Dschungel könnten die Berliner dort schnell behalten wollen.

Doch ist nicht seine konkurrenzlose Attraktivität der Grund, warum das als temporäres Projekt geplante Vorhaben wohl nicht umgesetzt werden wird. Das machte am Dienstagabend ein ebenso vielfältig wie prominent besetztes Expertengespräch deutlich, im Büro des Mitglieds des Abgeordnetenhauses, Notker Schweikhardt, einem sommerlichen Pavillonzelt auf einer Stadtbrache an der Kurfürstenstraße.

Das Schloss sei ein Hightech-Bau des 21. Jahrhunderts, so Johannes Wien, kaufmännischer Vorstand der Stiftung Berliner Schloss Humboldtforum, der vier Klimazonen einschließe, was eine homogene Fassade bedinge. Löcher für temporäres Grün werde es keine geben, die Fassade wachse von unten nach oben. Genau so wachsen die Pflanzen, und Pflanzen abstrahiert ja auch die Ornamentik der Barockfassade. Es besteht, recht besehen, gar kein Widerspruch zwischen Grün und Stein, die sich vielmehr auf raffinierte Weise wechselseitig interpretieren. Dazu lieferte das vertikale Grün mit seinen Gewächsen aus aller Welt einen sichtbarer Bezug auf das Schloss als Ort der außereuropäischen Sammlungen aus dem Ethnologischen Museum und dem Museum für Asiatische Kunst, die bislang in Dahlem zu Hause waren, argumentierten die Projektinitiatoren aus Architektur und Politik.

Gerade aber in Bezug auf das Humboldtforum im Schloss ist der namensgleiche Dschungel ein wirklicher Weckruf. Denn das Einbinden von Natur und Pflanzenwelt ist für ein neu und anders gedachtes Museumskonzept des 21. Jahrhunderts unabdingbar. Darauf wies Heinrich Suhr von der Stiftung Zukunft Berlin hin, wo über die Idee eines „Weltgartens“ am Humboldtforum nachgedacht werde.

Auch Klaas Ruitenbeek, Direktor des Museums für Asiatische Kunst, plädierte entschieden für das Grün im Schloss, wobei er es sich an anderem Ort, etwa dem Schlüterhof, vorstellen konnte und es sich vor allem, freilich ­ohne große Hoffnung, wie er zugab,im Innern seines Hauses wünschte.

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