KOSMOS @ taz

TAZ Newspaper, Berlin, 2024

Interview von Felix Hofmann, Journalist bei der Berliner taz, im taz Schlossaneignung Blog.

Interview & Veröffentlichung, Felix Hofmann @ taz, Berlin, 27. November 2024

Interview

Felix Hofmann
2015 schlugen Sie mit Uta Belkius und Notker Schweikhardt vor, die Teile der Humboldt Forum-Fassade, für die noch keine Spender für die barocke Gestaltung akquiriert werden konnten, mit einem Dschungel zuwachsen zu lassen. Wie kamen es zu dieser Auseinandersetzung? Welche Möglichkeitsräume – inhaltlich und gestalterisch – waren noch offen?

Elizabeth Sikiaridi & Frans Vogelaar
Das Projekt Humboldt Jungle haben wir entwickelt, als die Finanzierung der Barockfassade des Humboldt Forums, die eigentlich vom Förderverein Berliner Schloss getragen werden sollte, noch nicht gesichert war.

Wir haben als Alternative zur geplanten Steinfassade eine dschungelartige Bepflanzung der Fassade und des Daches vorgeschlagen. Es war schon damals klar, dass an diesem Ort eine städtische Hitzeinsel mit wenig Grün entstehen würde. Uns ist es sehr wichtig, Kultur und Natur zusammen zu denken. Ein Humboldt Dschungel mit Pflanzen aus aller Welt wäre auch ein sichtbarer Bezug zu den außereuropäischen Sammlungen im Gebäudeinneren. Schließlich fragten wir uns auch, ob der Entdeckungsreisende, Naturforscher und Nachhaltigkeitspionier Alexander von Humboldt sich in einer Schloss-Attrappe wohl fühlen würde…

Von Anfang an haben wir den Kontakt zum Humboldt Forum gesucht. 2015 haben wir unser Projekt zusammen mit dem Berlin-Abgeordneten Notker Schweikhardt und seiner Mitarbeiterin Uta Belkius in einer Veranstaltung mit Vertreter*innen des Forums vorgestellt. Der bei diesem Treffen anwesende Herr von Boddien meinte, das Bild des Humboldt Dschungels sei zu anspre­chend “um sich nicht gezwungen zu sehen, sofort dagegen zu argumentieren”.

In 2019 wurde über den Humboldt Dschungel im Bundestag diskutiert. Auf Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN, “was der aktuelle Stand der Überlegungen, eine Fassadenbegrünung, einen sogenannten Humboldt-Dschungel anzubringen” sei, antwortete die Bundesregierung, dass “alle Fassaden des Humboldt Forums – wie geplant – fertiggestellt und dass weitere Maßnahmen an den Fassaden nicht vorgesehen sind”.

Felix Hofmann
Wie wurde zu diesem Zeitpunkt über das Schloss debattiert?

Elizabeth Sikiaridi & Frans Vogelaar
Auch vor zehn Jahren schon gab es in der Berliner Zivilgesellschaft und bei den Kulturschaffenden großes Unbehagen wegen des Abriss des Palastes der Republik, der sich anbahnenden Schloss-Attrappe und der verpassten Chancen, einen zeitgenössischen Kulturbau zu errichten. Gleichzeitig gab es aber einen Bundestagsbeschluss.

Mit unserem Projekt wollten wir den Ort neu interpretieren und somit zu seiner Aneignung beitragen. Auch die Presse hat unseren Gegenvorschlag als „Weckruf“ (taz) „Rettung des Humboldt Forums“ (Die Zeit) sehr positiv aufgenommen.

Felix Hofmann
Sie haben sich seit dem Humboldt Dschungel kontinuierlich weiter mit dem Ort und seiner Programmierung beschäftigt.

Elizabeth Sikiaridi & Frans Vogelaar
Als es sich abzeichnete, dass die Barockfassade gebaut werden würde – und sei es mit Steuergeldern – haben wir 2016 einen Vorschlag nachgelegt: den Humboldt Vulkan), ein Gewächshaus-Pavillon mit botanischem Garten und vertikalem Wasserelement. An der Außenseite des Humboldt Vulkans sollen heimische Gehölze wachsen, innen Pflanzen aus aller Welt. Der Vulkan markiert den Eingang zum Forum und ein Weg soll von der U-Bahn aus auf das derzeit kaum erschlossene Dach führen. Unser Vorschlag würde dem Schloss ein zeitgenössisches Gesicht, Extravertiertheit und Ausstrahlung in die Stadt verleihen. Der Humboldt Vulkan ist ein konkreter architektonischen Entwurf, der unserer Ansicht nach viele der Probleme des Humboldt Forums lösen und in naher Zukunft realisiert werden könnte

Felix Hofmann
Und welcher Umgang mit dem Humboldtforum ergibt sich für Sie daraus?

Elizabeth Sikiaridi & Frans Vogelaar
Neben unseren Humboldt Forum-Projekten, arbeiten wir breit international an Interventionen, die kontroverse Orte neu erschließen und interpretieren, etwa an der Umdeutung und Umwandlung des Kenotaphs des Diktators Franco im „Valle de los Caídos“ (Tal der Gefallenen) bei Madrid oder an der Demilitarisierten Zone Koreas. Wir nutzen dabei das Potenzial der Außenperspektive, um eine neue Sicht auf eine scheinbar unauflösbare Konfliktsituation zu gewinnen, wie sie sich auch in anderen historischen Fällen als hilfreich erwiesen hat.

Diese Außenperspektive – wir sind beide Migranten – prägt auch die Haltung bei unseren Humboldt Forum-Projekten. Sie verleiht uns die Freiheit, uns auf andere deutschen Traditionen, welche sich dem Palast und seinen Machtstrukturen widersetzen, zu beziehen. Unsere Referenzen sind vielmehr Elemente der deutschen Kultur, die von anarchistischem und unabhängigem Geist, ökologischen Anliegen und Abenteuerlust durchdrungen sind, wie Alexander von Humboldts Entdeckungen und Ideen oder die Glasbauten des Architekten Bruno Taut.

Für uns ist das Humboldt Forum auch viel mehr als nur ein Ort, an dem sich die Konflikte der deutschen Geschichte verdichten. Es ist ein Forum in dem Kultur verhandelt und weiter entwickelt wird. Der niederländische Journalist und Kunsthistoriker Merlijn Schoonenboom schrieb dazu in sein Buch „Ein Palast für die Republik – Eine kleine Geschichte der großen deutschen Suche nach Identität”, dass unsere Humboldt Forum-Projekte eine Antwort auf die drängendste Frage der zeitgenössischen kulturellen Identität geben: die Suche nach einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Tradition und Innovation.

Felix Hofmann
Was sollte ein Humboldtforum aus Ihrer Perspektive leisten? Was ist heute Ihre Vision für den Ort?

Elizabeth Sikiaridi & Frans Vogelaar
Die Mission des Humboldt Forums ist, eine Agora für den globalen Dialog der Kulturen zu schaffen. Das finden wir vielversprechend. Aber warum sollte dieser Anspruch auf nur einen zentralen Ort in Berlin beschränkt sein? Sinnvoller wäre es, einen zukunftsweisenden Ansatz zu verfolgen, der auf dezentrale Interaktion setzt, um der Vielfalt der globalen Gesellschaft Rechnung zu tragen.

Wir sollten dazu die aktuellen und werdenden Möglichkeiten der Mobilität und Digitalisierung nutzen. Daher entwickeln wir derzeit auf Grundlage eines Digitalen Zwillings des Humboldt Forums das Projekt Humboldt KOSMOS, eine hybride Gaming-Umgebung mit kleinen international reisenden Stationen. Humboldt KOSMOS soll einen transkulturellen Austausch ermöglichen und dabei helfen, die vielfältigen Konfliktsituationen rund um das heutige Forum und seine Praktiken zu verhandeln. Das Projekt haben wir zusammen mit dem Gamelab der Humboldt-Universität zu Berlin in einem internationalen Workshop Anfang dieses Jahres lanciert.

Während Humboldt Dschungel eine Vision für das Rewilding des Forums formulierte und Humboldt Vulkan eine konkrete architektonische Lösung entwickelte, ist Humboldt KOSMOS der dritte Teil unseres Triptychons. Ein fiktives Universum, das auf dem Humboldt Forum basiert und eine Vielzahl möglicher Zukünfte eröffnet. Humboldt KOSMOS ist auch ein Prototyp für innovative Kulturräume, die sich der globalen Interaktion widmen, ein Experimentierfeld für die Zukunft von Museen und Kultureinrichtungen, eine Austauschplattform zur Förderung von wünschenswerten gemeinsamen natur-kulturellen Zukünften. Das Ziel ist es, ein innovatives Ökosystem der internationalen Zusammenarbeit zu fördern, das beim Umgang mit den Komplexitäten der heutigen globalisierten Welt und der Bewältigung der planetaren Umweltkrise von Bedeutung sein könnte.

Felix Hofmann
Waren Sie überrascht über rechtsextreme Geldgeber*innen?

Elizabeth Sikiaridi & Frans Vogelaar
Wir sind über rechtsextreme Geldgeber*innen nicht überrascht. Wir sind in einer Zeit der Permakrise. Wir finden es daher wichtig – auch mit unseren Humboldt-Forum-Projekten – dazu beizutragen, Möglichkeitsräume zu öffnen. Wir glauben, dass Kreative die Vorstellungskraft und Fähigkeiten besitzen, um Visionen zu entwickeln und neue Narrative zu entwerfen, um Potentiale für positive Veränderungen zu eröffnen. Und sehen uns hier in der Verantwortung. Das ist auch die treibende Kraft hinter Humboldt KOSMOS, einer hybriden ko-kreativen Spieleplattform, wo Menschen und Gemeinschaften auf aller Welt sich zusammen mit den Herausforderungen auseinandersetzen können, um gemeinsam wünschenswerte Zukünfte zu entwerfen.

Humboldt KOSMOS ist ein Prototyp für innovative Kulturräume, die sich der globalen Interaktion widmen, ein Experimentierfeld für die Zukunft von Museen und Kultureinrichtungen, eine Austauschplattform zur Förderung von wünschenswerten gemeinsamen natur-kulturellen Zukünften.

taz

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PRESS

Humboldt Jungle @ Schloss-aneignung

Ein Artikel von Philipp Oswalt in DOM 17 erwähnt den Humboldt‑Dschungel, die Hybrid‑Space‑Lab‑Initiative zur Begrünung der Humboldt‑Forum‑Fassade.

Veröffentlichung Schlossaneignung, Philipp Oswalt @ DOM magazine No. 17, DOM Verlag, Berlin, 1. November 2024

tolle grüne Fassade @ Tagesspiegel

Museumsdirektor Paul Spies stellt fest, dass Touristen das Humboldt-Forum meiden, und erinnert an Vorschläge wie eine grüne Fassade für den Palast.

Interview Paul Spies durch Birgit Rieger @ Tagesspiegel, Berlin, 29 Juni 2024

Humboldt Futures @ Atlas der Datenkörper

Hybrid Space Lab entwickelte eine Reihe von Projekten zur radikalen Aneignung des umstrittenen Berliner Humboldt Forums:

Veröffentlichung Humboldt Futures @ Atlas der Datenkörper 2, Transcript Verlag, 27 Mai 2024

Humboldt Vulkan @ RBB

Eine Art Treppenaufgang, umhüllt von Dschungel-Dickicht, einem Wasserfall und Essensangeboten auf dem Weg nach oben aufs Dach des Berliner Stadtschlosses.

Publikation @ RBB, Berlin, 5 Februar 2023

Gewagte Entwürfe @ Tagesspiegel

Abenteuerlich wie Humboldt selbst:
Der Entwurf des Architekturbüros Hybrid Space Lab für das Berliner Schloss.

Publikation durch Julia Weiss @ Tagesspiegel, Berlin, 31 Januar 2023

Future Heritage @ DASA Museum

Wie wäre es, wenn neben dem Neubau des Berliner Stadtschlosses ein Vulkan ausbrechen würde?
Wenn dort riesige Bäume wachsen, exotische Pflanzen wuchern und ein Wasserfall herabstürzen würden?

Veröffentlichung Future Heritage @ Points of View, DASA Museum, Dortmund, 1 March 2020

Humboldt Dschungel & Vulkan @ Ein Palast für die Republik

Der Plan der Architekten (Hybrid Space Lab) steht im Einklang mit der zweifellos wichtigsten Frage der zeitgenössischen kulturellen Identität: dem Verhältnis zwischen Tradition und Innovation.
Ihre Idee einer wachsenden grünen Welt rund um das Schloss ist die Darstellung der Idee der Tradition als dynamisches Phänomen.

Veröffentlichung Ein Palast für die Republik, Merlijn Schoonenboom @ Argobooks, Deustchland, 21 November 2020

Humboldt Dschungel @ Bundestag

Die Berliner Hauptzeitung Der Tagesspiegel veröffentlichte einen Artikel zu den im Bundestag aufgeworfenen Fragen der Grünen zur Umsetzung des Humboldt-Dschungels.
“Und um ihren Namen zu ehren, forderten die Grünen den “Stand der Überlegungen (…), ein Grün, einen sogenannten Humboldt-Dschungel, einzubauen”. Die kurze Antwort: “Weitere Maßnahmen an den Fassaden sind nicht vorgesehen.”

Publikation 19/11306 Antwort @ Deutscher Bundestag, Berlin, 2 Juli 2019

Humboldt Dschungel @ Der Tagesspiegel

Die Berliner Hauptzeitung Der Tagesspiegel veröffentlichte einen Artikel zu den im Bundestag aufgeworfenen Fragen der Grünen zur Umsetzung des Humboldt-Dschungels.
“Und um ihren Namen zu ehren, forderten die Grünen den” Stand der Überlegungen (…), ein Grün, einen sogenannten Humboldt-Dschungel, einzubauen “. Die kurze Antwort:” Weitere Maßnahmen an den Fassaden sind nicht vorgesehen.”

Veröffentlichung Humboldt kostet, ja und nein @ Der Tagesspiegel, Berlin, 19 Juli 2019

Humboldt Volcano @ Die Wiener Hofburg

Im Kapitel “Internationale Entwicklungen; Der Schlossplatz und die Museumsinsel in Berlin” wird der Humboldt Vulkan als Beispiel für das Umdenken des Humboldt-Forums genannt.

Publikation Die Wiener Hofburg seit 1918 @ Institut für kunst- und musikhistorische Forschungen, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Österreich, 1 Oktober 2018

Humboldt Vulkan @ Garten + Landschaft

Wie wird Berlin zu einer sozial gerechten Smart-City?
Das Make City Festival diskutierte Ideen wie einen Vulkan am Humboldtforum von Hybrid Space Lab.

Publikation, Susanne Isabel Yacoub @ Garten + Landschaft, Germany, 15 August 2018

Humboldt Vulkan @ YEAST

Die Wand des Rem Koolhaas-Gebäudes ist mit großen Plakaten bedeckt, die den „Humboldt Dschungel“ und den „Humboldt Vulkan“ zeigen, mit denen Elizabeth Sikiaridi und Frans Vogelaar jüngst in den Medien Furore machten.
Dem kulturellen Großprojekt des umstrittenen Humboldtforums möchten sie eine partizipatorische Dimension entgegensetzen, wobei auch sie sich bewusst auf Alexander von Humboldt beziehen.

Publikation @ YEAST, Deutschland, 15 Juni 2018

Humboldt Vulkan @ Baunetz

Seit gestern läuft das MakeCity Festival in Berlin – und es wird grün!

Publikation @ Baunetz, Deutschland, 15 Juni 2018

Alexander von Humboldt und Humboldt Vulkan @ MakeCity Festival

Rüdiger Schaper, Autor und Ressortleiter Kultur beim Tagesspiegel präsentiert seine jüngst erschienene Biographie von Alexander von Humboldt und diskutiert mit uns das Humboldt Vulkan Projekt am Studio Talk @ MakeCity Festival.

Studio Talk, Lesen, Präsentation und Diskussion @ MakeCity Festival, Botschaft des Königreichs der Niederlande, Berlin, 15 Juni 2018

Humboldt Dschungel @ archithese

Die Schweizer Architekturzeitschrift Archithese veröffentlicht Humboldt-Dschungel im Rahmen der Ausgabe Ruinen. Vom Verhältnis von Architektur und Natur handelt archithese 4.2017 Ruinen.

Publikation Humboldt Dschungel @ archithese, Architekturzeitschrift, Schweiz, 15 Januari 2018

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Humboldt Jungle @ Alte Tankstelle

Das Projektteam Humboldt Dschungel: Uta Belkius, Hybrid Space Lab (Prof. Elizabeth Sikiaridi, Prof. Frans Vogelaar) und Notker Schweikhardt lud Berliner ExpertInnen ein, von der Kulturpolitischen Gesellschaft, der Architektenkammer, dem Bund der Landschaftsarchitekten bis hin zum WWF und verschiedenen Stiftungen, um das Projekt Humboldt Dschungel – die (temporäre) Begrünung der Fassade des
Humboldt Forums – zu diskutieren und zu befördern.
Durch den Abend führte Andreas Krüger von der Belius Stiftung, die das Vorhaben auch unterstützt.
Für die besondere, kreative Atmosphäre sorgte unser Gastgeber Juerg Judin, Berliner Galerist und Sammler, der uns in seiner wunderbar ausgebauten Alten Tankstelle in Berlin Schöneberg empfing und köstlich bewirtete.

Vortrag von Prof. Elizabeth Sikiaridi und Prof. Frans Vogelaar @ GRÜN.kulturell, Alte Tankstelle, Berlin, 29. Januar 2016

Humboldt Dschungel @ GRÜN kulturell

Humboldt Dschungel symbolisiert die Herkunft der zukünftig beher­bergten Sammlungen im Humboldt Forum.
Gleichzeitig steht Humboldt Dschungel für ein innovatives Deutschland, indem Stadt neu gedacht wird.

Expertengespräch Politik trifft Kultur: ANAlyseN, IdeeN, KoNzePte @ GRÜN.kulturell Kulturcontainer, Berlin, 9 Juli 2015