Fabric @ documenta 14 South Issue #9

Adam Szymczyk, Direktor der documenta 14, bezieht sich auf den Dokumentarfilm Fabric von Hybrid Space Lab in der Zeitschrift South der documenta 14.

 

Publikation South issue #9, Katerina Koskina, Adam Szymczyk, Domenick Ammirati @ documenta 14, Kassel/Athen, 17 September 2017

Die Documenta ist eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst, die alle fünf Jahre in Kassel stattfindet.
Die Documenta wurde 1955 vom Künstler, Lehrer und Kurator Arnold Bode im Rahmen der Bundesgartenschau gegründet, die zu dieser Zeit in Kassel stattfand. Sie war ein Versuch, Deutschland auf den neuesten Stand der modernen Kunst zu bringen und gleichzeitig die kulturelle Finsternis des Nationalsozialismus zu vertreiben und zu unterdrücken. An dieser ersten Documenta nahmen viele Künstler teil, die allgemein als bedeutende Einflussnehmer auf die moderne Kunst gelten (wie Picasso und Kandinsky). Die jüngeren Ausgaben der Veranstaltung präsentieren Künstler aus aller Welt, wobei ein Großteil der Kunstwerke ortsspezifisch ist.
Jede Documenta ist auf 100 Ausstellungstage begrenzt, weshalb sie oft als „Museum der 100 Tage” bezeichnet wird. Die Documenta ist keine Verkaufsausstellung.

Katerina Koskina  und
Adam Szymczyk  im Gespräch mit  Domenick Ammirati

„In Bezug auf das ökonomische Interesse, das hinter dem Reisen steht, lassen sich faszinierende Verbindungen nachzeichnen – und heute stellt die documenta, auch wenn sie viel kleiner als viele andere ökonomische Akteure ist, eines dieser Interessen dar. Über Jahrhunderte, insbesondere aber im 19. und frühen 20. Jahrhundert, waren Kleinasien und der gesamte Mittelmeerraum ein Ort des fieberhaften Reisens von Familien und Unternehmen, die in Städten wie Konstantinopel, Alexandria, Odessa und so weiter gegründet wurden.
Diese Geschichte kann man natürlich romantisieren, indem man sie mit Vorstellungen wie Neugier und Entdeckung verbindet. So gründete etwa die Familie Sikiarides, die große Händlerfamilie im Mittelmeerraum des 19. und 20. Jahrhunderts, ein neues Unternehmen, das gebrauchte Hüte aus Manchester nach Istanbul verkaufte, nachdem Kemal Atatürk an die Macht gekommen war und den Fez verboten hatte. Ob zufällig oder nicht, gingen das Grundstück und die Gebäude der Athener Textilfabrik der Sikiarides nach deren Bankrott in das Eigentum des Staates über und wurden 1992 der Hochschule der Bildenden Künste Athen überlassen. Auf scheinbar paradoxe Weise erlaubt uns die Geschichte des Handels und der Industrie ein ziemlich genaues Verständnis der heutigen Notlage.“
Adam Szymczyk, documenta 14

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