Humboldt Dschungel @ archithese

Die Schweizer Architekturzeitschrift Archithese veröffentlicht Humboldt Dschungel im Rahmen der Ausgabe Ruinen. Vom VerhÀltnis von Architektur und Natur handelt archithese 4.2017 Ruinen.

Publikation
Humboldt Dschungel

15 Januari 2018

@ archithese
Architekturzeitschrift
Schweiz

Ruinen

„Wie wĂ€re es, wenn aus dem Berliner Stadtschloss riesige BĂ€ume wachsen, exotische Pflanzen wuchern und ein Wasserfall stĂŒrzen wĂŒrden? Die Think Tank Hybrid Space Lab legt in der Diskussion um die kontroverse Rekonstruktion eine erfrischend-ruinöse Idee vor.

GeschichtstrÀchtig

Eines der umstrittensten GebĂ€ude Berlins befindet sich im Herzen der Stadt: Das Residenzschloss der Hohenzollern bei der Museumsinsel. In der Rekonstruktion sollen ab 2019 Ausstellungen ĂŒber außereuropĂ€ische Kulturen gezeigt werden. Das sogenannte Humboldt-Forum ist eines der ehrgeizigsten Kulturprojekte der Bundesrepublik und der Ort, an dem gerade die neuen Barockfassaden aufgerichtet werden, ist historisch ĂŒberaus bedeutend: Das im Zweiten Weltkrieg schwer zerstörte Stadtschloss wurde wĂ€hrend der DDR-Zeit gesprengt und durch den reprĂ€sentativen Palast der Republik ersetzt. Nach der Wiedervereinigung wurde auch er abgerissen. Wie lĂ€sst sich Deutschlands kulturelle IdentitĂ€t im Kontext dieser spannungsvollen Vergangenheit verhandeln und definieren?

Von
Pflanzen
ĂŒberwuchert

Alexander von Humboldt (1769–1859) war ein Naturforscher und Pionier in Sachen Nachhaltigkeit. Das Forum im rekonstruierten Schloss wird zwar den Namen des Wissenschaftlers tragen – GrĂŒnrĂ€ume sind aber keine geplant. Daher entwickelte das Hybrid Space Lab im Jahr 2015 einen radikalen Vorschlag, das imposante Denkmal in einen Dschungel zu verwandeln. HĂ€ngende GĂ€rten mit einem tropischen Wald ĂŒbernehmen das Schloss, oder besser gesagt seine Neubauruine. Dabei wĂŒrde der Humboldt-Dschungel mehr als FassadenbegrĂŒnung sein: Er liesse «Gras drĂŒber wachsen» und könnte – so die Hoffnung der Autoren – vielleicht die komplexen geschichtlichen Wunden an diesem historischen Ort heilen.

Rettungsanker?

Die Schlossattrappe könnte zudem eine Art Arche Noah sein. In einer Zeit, in der immer mehr Tier- und Pflanzenarten aussterben, erscheint das sinnvoll. Dabei nĂ€hme der Humboldt-Dschungel nicht nur seltene Arten einer bedrohten Flora auf, sondern böte auch verschiedenen Insekten einen Lebensraum. Das Projekt steht fĂŒr eine hybride und innovative Architektur, die mit der Natur zusammenkommt. In dieser Konvergenz findet eine zukunftsweisende Baukunst ihren Ausdruck – eine, die sich den Herausforderungen des AnthropozĂ€ns stellt.“
archithese

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29 September – 27 October 2017