Humboldt Dschungel @ Berliner Kurier

Berliner Kurier veröffentlicht einen Artikel von Stefanie Hildebrandt ĂŒber Humboldt Dschungel.

Publikation
Berliner, wollt ihr ein Dornröschen-Schloss?
Stefanie Hildebrandt

Zeitung
20 Februar 2016

@ Berliner Kurier

Berliner, wollt ihr ein Dornröschen-Schloss?

Wird so Berlins Mitte endlich wach geküsst?
Ein neuer, sehr grüner Vorschlag zur Gestaltung der Fassade des Stadtschlosses sorgt für gehöriges Rauschen im Hauptstadt-Dschungel und BlĂ€tterwald.

Wird so Berlins Mitte endlich wach gekĂŒsst? Ein neuer, sehr grĂŒner Vorschlag zur Gestaltung der Fassade des Stadtschlosses sorgt fĂŒr gehöriges Rauschen im Hauptstadt-Dschungel und BlĂ€tterwald.

Lianen und Farnwedel winden sich entlang der Fassade, man meint exotische Vögel krĂ€chzen zu hören. Ein wildes GrĂŒn, das da im Herzen der Stadt wuchert. So stellen sich die Architekten vom „Hybrid Space Lab“ die Fassade des neuen Stadtschlosses vor.

Noch mehr als das Grimmsche MĂ€rchen vom Dornröschen dĂŒrfte die Macher aber deren Zeitgenosse, Namensgeber und Lateinamerika-Forscher Alexander von Humboldt zu ihrem Projekt inspiriert haben. Der Dschungelforscher wĂ€re sicher entzĂŒckt von der grĂŒnen Fassade.

Nicht so Wilhelm von Boddien vom Förderverein fĂŒr den Wiederaufbau des Stadtschlosses. Er hĂ€lt den Vorschlag schlichtweg fĂŒr verrĂŒckt. Dann passt es vielleicht doch ganz gut zu Berlin?

Bauverzögerungen, 600 Millionen Euro Kosten und mehr, noch immer fehlen 48 Spenden-Millionen fĂŒr die barocke Fassade des Stadtschlosses. Das ist der Ist-Zustand. Doch jetzt kommen die Architekturprofessorin Elizabeth Sikiaridi, Design-Neudenker Frans Vogelaar sowie Notker Schweikhardt, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses fĂŒr die GrĂŒnen mit einer berauschenden Idee um die Ecke.

Die begrĂŒnte Fassade soll das interdisziplinĂ€re Denken Humboldts visualisieren. Kultur und Natur, Barock und Dschungel – ein Schloss fĂŒr alle.

Bautechnisch gar nicht möglich, bĂŒgelt von Boddien im Deutschlandradio Kultur ab. Allein die Tatsache, dass die Pflanzen stĂ€ndig bewĂ€ssert werden mĂŒssten, könne fĂŒr die Fassade schwierig werden. „Falsch“, kontert Elizabeth Sikiaridi. „Von Boddien glaubt, wir wollen da Blumentöpfe an die Fassade hĂ€ngen. Mittlerweile gibt es technisch sehr gut einsetzbare Technologien.“ Etwa geschlossene Paneele, die man an der Fassade anbringe.

Auch fĂŒr den Berliner Winter haben die VisionĂ€re eine Idee: Ein GewĂ€chshaus-Restaurant auf dem Dach, in dem zarte Pflanzen ĂŒberwintern. An der Fassade bleibt immergrĂŒnes GewĂ€chs, das dem Wintergrau trotzt. „Jeder, dem wir von der Idee erzĂ€hlt haben, war begeistert“, erzĂ€hlt Sikiaridi dem KURIER. „Auch auf höheren Ebenen haben wir gehört, dies sei die Rettung fĂŒr das Stadtschloss.“

Noch will keiner damit so recht aus der Deckung. Aber das kann sich Àndern. Auch ein Vorbild gibt es: das Musée du quai Branly in Paris. Auch dort werden völkerkundliche Sammlungen wie spÀter im Humboldt-Forum gezeigt: Die hÀngenden GÀrten des Architekten Jean Nouvel sind der Renner.

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