Humboldt Vulkan @ YEAST

Dabei geht es um die Utopie von einer menschenfreundlichen Stadt.

Publikation
15 Juni 2018

@ YEAST

PLAYvoid

Eine Schiffsirene tönt. Eine Möwe zieht schreiend vorbei. Zwei MĂ€nner haben sich im Liegestuhl niedergelassen und prosten sich zu. Es liegt etwas von Nordsee-Urlaub in der Luft, allerdings an den Ufern der Spree. Genauer im Innenhof der Botschaft des Königsreichs der Niederlande, die sich in einen Pop-up Park verwandelt hat. Der gesamte Hof ist mit flauschigem Kunstrasen ausgelegt. Bis zum 1. Juli findet Place Making Projekt “playVOID” statt.

Humboldt Vulkan als Kontrapunkt zum Humboldtforum

Im Rahmen des MakeCity Festivals fĂŒr Architektur und Andersmachen lĂ€dt die Botschaft die Berliner ein, vorbeizuschauen und zu relaxen – und sei’s nur mal kurz in der Mittagspause. Dabei geht es um die Utopie von einer menschenfreundlichen Stadt. Man könne sich dort sogar die FingernĂ€gel lackieren lassen – das Angebot gebe es wirklich, schmunzelt Benjamin Anker, Botschaftsrat und Leiter der Politischen Abteilung.
Die Wand des Rem Koolhaas-GebĂ€udes ist mit großen Plakaten bedeckt, die den „Humboldt Dschungel“ und den „Humboldt Vulkan“ zeigen, mit denen Elizabeth Sikiaridi und Frans Vogelaar jĂŒngst in den Medien Furore machten.
Dem kulturellen Großprojekt des umstrittenen Humboldtforums möchten sie eine partizipatorische Dimension entgegensetzen, wobei auch sie sich bewusst auf Alexander von Humboldt beziehen.
So soll der „Humboldt Vulkan“, ein haus- oder besser schlosshoher Wintergarten, einen öffentlichen Zugang zum Dach des Humboldt Forums bilden. WĂ€hrend der Besucher zum „Gipfel“ aufsteigt, durchquert er die Flora verschiedener Klimazonen aus aller Welt. Ein vorgelagerter Wasserfall stĂŒrzt in eine Höhle unterhalb des Schlossplatzes. Der Abstieg soll wie eine Zeitreise durch die Erdzeitalter gestaltet werden – Ă€hnlich wie Jules Vernes Reise zum Mittelpunkt der Erde. Vor allem aber in Bezug auf den Forschungskosmos Alexander von Humboldts.

Die ganze Welt an einem Ort

FĂŒr RĂŒdiger Schaper, der im Studio Talk am Freitag seine Publikation „Der Preuße und die neuen Welten“ vorstellte, war Alexander von Humboldt ein Pionier. Ein frĂŒher Ökologe, der erste Nachhaltigkeitskonzepte entwickelte und die Natur als Netzwerk verstand. Zudem war er der erste, der die Flora und Fauna in AbhĂ€ngigkeit von der Höhe ĂŒber dem Meeresspiegel beschrieb. Die ganze Welt sei in den Höhenstufen eines einzigen Ortes zu finden, so die Beobachtung des Gelehrten. Auch der Parcours des „Humboldt Vulkans“ spielt mit diesem Gedanken und fĂŒhrt durch die „Höhenstufen“ der botanischen, kulinarischen und kulturellen Geografie.
Als „Wahrnehmungstransformator“ bezeichnet Elizabeth Sikiaridi den Humboldt Vulkan, der VorstellungsrĂ€ume und Möglichkeitswelten erschließe. Auch tief unter dem Berliner Pflaster liegt ein lĂ€ngst erloschener Vulkan, der vor 290 Millionen Lavaströme ausspie. Ein Vulkan der Ideen soll nun in Berlins Zentrum sprudeln, ginge es nach den Ideengebern. „Das Projekt basiert auf einer genauen Analyse und Auseinandersetzung mit der komplexen Geschichte des Standortes“, erklĂ€rt Vogelaar. Historisch sei das Schlossareal von mehreren sich ĂŒberlagernden stĂ€dtischen Systemen geprĂ€gt. So bilde der Anbau eine Achse mit „Unter den Linden“.

Manche Utopien werden wahr

Es ist eine beflĂŒgelnde Vision. Sie braucht Weitblick, Überzeugungskraft und – gerade im gegenwĂ€rtigen Berlin – viel Beharrlichkeit. Das hatten bereits Christo und Jeanne-Claude auf dem langen Weg erfahren, den sie bis zur VerhĂŒllung des Reichtags gegangen sind. Eine Utopie, die nicht nur die Berliner verzauberte, als sie nach der Wiedervereinigung endlich RealitĂ€t geworden war.
So halten auch die Initiatoren des Humboldt Vulkans unverdrossen an ihrer Vision fest. Und stoßen nicht nur auf UnterstĂŒtzung der Kreativen. Ein Pumpenspezialist aus der norddeutschen Heide ist bereits wild entschlossen, den Wasserfall in Gang zu bringen, so Sikiaridi: „Wenn ihr das macht, bin ich auf jeden Fall dabei“.

related PROJECTS

related PRESS

Social Design Award @ Der Spiegel

Als gestapelte Oase, die Vegetation in der gebauten Umwelt integriert, weist Humboldt Vulkan Lösungswege fĂŒr die Integration von GrĂŒn in sehr dichten urbanen Situationen auf. Hybrid Space Lab versteht diese Idee auch als Teil der „Stadtverwaldung“ und Möglichkeit, im knappen öffentlichen Raum eine unkonventionelle GrĂŒnflĂ€che zu etablieren.
29 September – 27 October 2017