Mobilität Immobilität

Das Informationszeitalter beschäftigt in zunehmendem Maße die Architkturszene in ganz Europa auf Symposien wie ‘Media Space’ in Stuttgart (Okt.2001) oder auf anderen Konferenzen, deren Titel die Tendenzen scheinbar auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduzieren wollen.

Architektur im Informations zeitalter
Publikation
Francesca Ferguson

@ entourage
Januar 2002

Das Informationszeitalter beschäftigt in zunehmendem Maße die Architkturszene in ganz Europa auf Symposien wie ‘Media Space’ in Stuttgart (Okt.2001) oder auf anderen Konferenzen, deren Titel die Tendenzen scheinbar auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduzieren wollen. So schien auch die a2b Konferenz ihren schlichten Übertitel dieser beliebigen Einfachheit zu verdanken: Architecture to Business, Art to Business, auf jeden Fall in Assoziation an B2B, Business to Business, auf den direkten Weg von a nach b anspielend.

Als erste Veranstaltung einer Reihe von insgesamt 5 geplanten Architktursymposien unter dem Dach von a2b öffnete das Heading ‘Mobility-Immobility’ das Tor zu einem weiten Feld. Die Tagung geht auf eine Initiative des Architekten Jacques Herzog zurück. Der Rahmen der Basler Messe Swissbau mit dem diesjährigen Motto “We are building the future for you” präsentierte die prominenten Vortragenden als Konstrukteure der Zukunft.

Internationale Koryphäen der Architektur im realen Raum wie Toyo Ito wurden neben Pionieren der virtuellen Architektur gestellt: Marcos Novak, Peter Anders oder Hani Rashid. Ein großer Teil der Konferenz befaßte sich mit der begrifflichen Definition von Zukunft. So erläuterte Elizabeth Sikiaridi den bereits von ihr geschützten Terminus ‘idensity’, der die Dichte von medialen und urbanen Netzwerken und das Verschmelzen virtueller mit realen Räume beschreibt.

In diesem Zusammenhang fielen auch Schlagworte wie ‘hybride Raüme’ und ‘Soft Urbanism’. Sicherlich besteht die Notwendigkeit in einer Zeit der dezentralisierten Kommunikation und des Verschwinden konkreter Orte des Austausches, diese neue Realität sprachlich zu erfassen.

Nach den futurologischen Ausführungen von William J. Mitchell, Cyberspace-Theoretiker am MIT, werden beispielsweise Bankfilialen und Bibliotheken als Orte des konkreten Austauschs immer weniger unsere urbanen Räume prägen. Als Folge beschäftigen sich experimentelleren Architekten und Urbanisten zunehmend mit dem unsichtbaren Urbanismus. Peter Trummer hat die Kommunikations- und Transportationssysteme des australischen Hinterlands untersucht, und dabei die ‘Flying Doctors’ – fliegende Hausärtzte – als Teil der Netzwerkstrukturen des Outbacks als urbanes Phänomen ausgemacht.

Das Unsichtbare sichtbar zu machen, dies scheint eine der entscheidenden Tenzdenzen der Architekten in einem Zeitalter der ‘Netzwerk Städte’ zu sein. Hani Rashid von Asymptote Architecture wies jedoch auf die psychologischen Folgen reeller Ereignisse hin. Der 11. September und die Trümmer des WTCs machen es zunehmend schwierig, die komplexen Formen der virtuellen Architekturen wahrzunehmen. Die Visualisierungen vielschichtiger Prozesse und Experimente durch Marcos Novak, Urheber des Begriffs ‘Transarchitecture’, hatten eine derart starke Ähnlichkeit zu den ausgebrannten, traumatisierenden Resten der beiden WTC Tower, daß eine Disassoziation seitens des Betrachters kaum möglich schien.

Deutlich klarer wirkte deshalb der Weg, den Toyo Ito im realen Raum beschreitet. Eine von diesem Vorreiter der Leichtigkeit gestaltete Bibliothek in Japan beweist die Möglichkeit einer harmonischen Verbindung zwischen Technik und Natur. Das Glasgehäuse läßt den Blick über völlig offene Etagen schweifen; die Stützen des Gebäudes verbergen Technik, Aufzüge und Lüftungsschächte, und wurden als wehende Gräser gestaltet. Leichte, elegant eingefrorene Mobilität.